Reflexionen des Vaterseins in der Kunst
Kurator: Roman Grabner.
Das Bild der Mutter hat sich in der Ikonografie der Madonna mit Kind nicht nur in die Kunstgeschichte, sondern nachhaltig in unser kollektives Gedächtnis eingeprägt. Es repräsentiert eine stereotype, männliche Vorstellung, an der auch heute noch viele Vertreter:innen konservativer Parteien Maß nehmen. Auch wenn Darstellungen von Männern in unterschiedlichen Rollen und Funktionen die (Kunst)Geschichte dominieren, Werke, die das eigene Vatersein reflektieren stellen eine Ausnahme dar. Doch jeder Vater weiß, dass die Geburt eines Kindes eine Zäsur im Leben bedeutet, die auf unvorhersehbare Weise berührt und verändert und die Perspektiven neu justiert. Verantwortungen werden eingefordert, Prioritäten verschieben sich, der Alltag erhält einen anderen Rhythmus, neue Aufgaben und Tätigkeiten kommen hinzu, der Sinn des Lebens wird anders definiert und man lernt neu zu sehen, sprichwörtlich durch die Augen des eigenen Kindes. Diese Veränderungen beeinflussen natürlich auch die eigene künstlerische Arbeit, auch wenn das oftmals nicht an die sprichwörtlich große Glocke gehängt wird.
Die Ausstellung im GerberHaus zeigt anhand ausgewählter Arbeiten österreichischer Künstler, wie das Vatersein auf ihre künstlerischen Arbeiten eingewirkt hat bzw. diesen seinen Stempel aufgeprägt hat. In der proklamierten »Krise des Mannes« soll hier nicht traditionellen Rollen des Mannes, und damit des Vaters, das Wort geredet oder klassische Familienbilder prolongiert werden.
Das Aufbrechen hierarchischer Familienstrukturen, die Emanzipation der Frau und die Infragestellung binärer Geschlechterkonstruktionen bilden die Basis für einen emanzipierten Mann, der seine Rolle als Vater bewusst und reflektiert wahrnimmt. Ebenso soll durch den Fokus auf das Vatersein nicht vom gesellschaftlichen Ungleichgewicht in der Care-Arbeit abgelenkt werden, die nach wie vor großteils von Frauen und großteils unbezahlt geleistet wird. Die Ausstellung möchte im Bewusstsein des historischen Unrechts weder etwas verbergen, noch schönreden, aber eine Perspektive hinzufügen, die im gesellschaftlichen Diskurs kaum vorzukommen scheint: die zutiefst persönliche und intime Beziehung zwischen Vater und Kind.
Die Schau im GerberHaus versammelt private Arbeiten von Künstlern, darunter auch Werke von Günter Brus, die nicht nur Einblick geben in ihr Familienleben, sondern auch wie ihr Vatersein ihre Perspektive auf die Kunst und die Gesellschaft verändert hat und dies vielleicht auch für das Publikum tun kann.
Vernissage: DO 19.03.2026
19:30 Uhr, GerberHaus OG
Zur Ausstellung spricht Kurator Roman Grabner
(Leiter des Bruseum am Universalmuseum Joanneum)
Ausstellung: 20.03.-12.04.2026
GerberHaus Fehring OG
Ausstellungszeiten: SA–SO/FTG: jeweils 11–17 Uhr
21.–22.03. // 28.–29.03. // 04.–06.04.// 11.–12.04.
und zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek
(MO 14–18, DI 16–17:30, MI 9–10, FR 16–19)
Eintritt frei!
Veranstalter: Verein Kultur GerberHaus
ORT:
Gerberhaus Fehring, Grazerstraße 3, 8350 Fehring (Obergeschoss)
DATUM UND UHRZEIT:
19.03.2026 - 12.04.2026 (19:30 Uhr)
VERANSTALTUNGSART:
Kultur


